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Wie finde ich den richtigen Hufbearbeiter für mein Pferd?

Dieser Artikel klärt über die verschiedenen Arten der Hufbearbeiter auf.


Hufschmied bearbeitet den Huf
Hufbearbeiter am Pferd

Wer macht eigentlich was?

Es ist heutzutage nicht leicht, sich in dem Dschungel an Anbietern für Hufbearbeitung zurechtzufinden. Neben dem regulären Hufschmied gibt es mittlerweile eine große Anzahl an anderen Bezeichnungen für Hufbearbeiter, jeder mit unterschiedlichem Schwerpunkt. Die Frage ist nicht nur „Wer macht eigentlich was?“, sondern genauso wichtig „Wer darf eigentlich was?“

 



Hufschmiede / Hufbeschlagschmiede:

Die hier in Deutschland - im Gegensatz zu Österreich und die Schweiz - eigentlich korrekte Bezeichnung für einen Hufschmied ist „Hufbeschlagschmied“. Diese Bezeichnung ist vom Gesetzgeber geschützt und darf nur von einem staatlich geprüften Hufschmied verwendet werden. Es ist ein regulärer Handwerksberuf, der mit einer Ausbildungszeit und einer Abschlussprüfung geregelt ist.

 

Zwei Wege zum Hufschmied:

Es gibt zwei Möglichkeiten, den Beruf des Hufschmieds zu erlernen:

Die Ausbildung wird zunächst in einem metallverarbeitenden Beruf absolviert und nach (in der Regel) drei Jahren mit einer Gesellenprüfung abgeschlossen. Der anschließende viermonatige Fortbildungslehrgang erfolgt dann in einer staatlich geprüften und anerkannten Lehranstalt und wird mit einer weiteren Prüfung zum Hufbeschlagschmied beendet.

 

Ein alternativer Weg bietet ein einmonatiger Einführungslehrgang, in dem die Grundlagen im Umgang mit Pferden, Werkzeugen und potenziellen Gefahren unterrichtet werden. Anschließend begleitet der Auszubildende zwei Jahre einen staatlich geprüften Hufschmied. Wie bei der ersten Ausbildungsmöglichkeit erfolgt der weitere viermonatige Fortbildungslehrgang in einer staatlich geprüften und anerkannten Lehranstalt und schließt ebenso mit einer Prüfung zum Hufbeschlagschmied ab. Die Voraussetzung für diese Variante der Ausbildung ist eine abgeschlossene Berufsausbildung. Hierbei spielt jedoch die Ausbildungsrichtung keine Rolle.

 

 

Was darf nur der Hufschmied?

Der Hufschmied ist generell der Einzige, der das Material Eisen an den Pferdehuf anbringen darf. Hier hat der Gesetzgeber 2006 eine eindeutige Regelung getroffen. Für das Anbringen eines Eisenbeschlages an das Pferd muss vorher eine staatlich anerkannte Prüfung abgelegt werden. Im Umkehrschluss heißt das allerdings, dass jeder andere Hufbearbeiter - gleich welcher Richtung - jedes andere Material an den Pferdehuf anbringen darf, also zum Beispiel Aluminium, Kunststoff, Kombinationen aus Metall und Kunststoff, Klebebeschläge oder Hufschuhe. Auch das Anbringen durch Nägel ist somit nicht nur dem Hufschmied vorbehalten, sondern auch jedem anderen Hufbearbeiter erlaubt.

 

 


 

Was darf der Laie?

Selbst der versierte Laie darf ein Pferd beschlagen, wenn es sich bei dem zu beschlagenen Material nicht um Eisen handelt. Gerade viele Distanzreiter nehmen diese Möglichkeit schon längere Zeit wahr und beschlagen ihr Pferd z.B. mit Kunststoffbeschlägen.

 

Allerdings gibt es auch eine Einschränkung. Der Laie unterliegt – wie selbstverständlich alle anderen Hufbearbeiter auch – dem Tierschutzgesetz, in dem ausdrücklich darauf verwiesen wird, dass dem Pferd keine unnötigen Schmerzen zugefügt werden darf. Außerdem hat er eine Sorgfaltspflicht und muss sich überdies hinaus natürlich aus haftungstechnischen Gründen eine Versicherung abschließen, sollte er nicht nur sein eigenes Pferd am Huf bearbeiten und beschlagen wollen. Eine fundierte Kenntnis über das korrekte Bearbeiten des Hufs ist also unumgänglich.

 




 

 

 

Was macht nun wer? Die Unterschiede zwischen den einzelnen Berufsgruppen

 

Huftechniker:

Fangen wir mit dem Huftechniker an. Der Begriff „Huftechniker“ ist nicht geschützt. Der Fokus der Ausbildung der meisten Schulen hier in Deutschland liegt auf dem Anbringen eines Hufschutzes in Form von z.B. Aluminium, Kunststoff- und Klebebeschlägen, Hufschuhen etc. Je nach Schule unterscheidet sich auch die Länge der Ausbildungsdauer in Theorie und Praxis sowie die Kenntnisvermittlung der Barhufbearbeitung.

 

 

Hufpfleger:

Auch die Berufsbezeichnung „Hufpfleger“ ist nicht geschützt. Meist wird diese Bezeichnung von Hufbearbeitern verwendet, die keiner bestimmten Schule oder Ausbildungsrichtung angehören. Die Ausbildung zum Hufpfleger wird von einigen Institutionen als berufsbegleitende Teilzeitlehrgängen angeboten. In der Regel unterscheiden sich die Bearbeitungsweisen der einzelnen Ausbildungsanbieter nicht in Bezug auf Bearbeitungstechnik und –werkzeug. Einige Schulen bieten gerade methodenoffene Kurse an, um dem Hufpfleger letztendlich die Möglichkeit an die Hand zu geben, am Pferd ein individuelles Bearbeitungskonzept anzupassen. Der Hufpfleger arbeitet in der Regel am Barhuf-Pferd ohne Beschlag.

 

 

Huforthopäde:

Der Begriff „Huforthopäde“ wurde von der Deutschen Huforthopädischen Gesellschaft e.V. (DHG) und dem Deutschen Institut für Huforthopädie (DifHO) geprägt. Beide Institutionen bildeten zuvor eine Schule, deren Begründer Astrid Arnold (DHG) und Jochen Biernat (DifHO) sich später aufgrund von internen Differenzen trennten und verschieden Wege beschritten, was sich allerdings nicht wesentlich auf die Bearbeitung der Hufe und deren Sichtweisen auswirkte.

Es handelt sich beim Begriff „Huforthopädie“ wiederum nicht um eine geschützte Berufsbezeichnung, wie es sie in der Humanmedizin mit der Bezeichnung „Orthopädie“ gibt und auf einen Facharzt mit vorheriger Promovierung hinweist, sondern nur um eine Bezeichnung einer Hufbearbeitungsrichtung.

Huforthopäden lehnen zwar nicht generell Hufschutz ab, Ziel dieser Art der Hufbearbeitung ist es jedoch, den natürlichen Abrieb durch die Bearbeitung zu fördern und nur leichte Korrekturen am Huf vorzunehmen.

 

 

Hufheilpraktiker:

Die Bezeichnung Hufheilpraktiker ist - wie schon die zuvor genannten Bezeichnungen außer dem Hufbeschlagschmied - nicht geschützt und hat nichts mit dem Heilpraktiker im Humanbereich zu tun, der eine staatlich anerkannte Prüfung ablegen muss, um behandeln zu dürfen.

Hufheilpraktiker bearbeiten in der Regel nur Pferde, die keinen Hufschutz tragen. Sie sind Schüler nach dem Lehrkonzept von Dr. med. vet. Hiltrud Strasser. Dr. Straßer vertritt unter anderem die Ansicht, dass der Pferdehuf ein multifunktionales Organ ist, das nicht durch Hufschutz eingeengt werden darf. Unter Hufschutz wird jeglicher Schutz am Pferdehuf verstanden, also egal ob es sich um Hufschuhe, Hufbeschlag oder anzuklebenden Hufschutz handelt. Außerdem – so die Meinung von Dr. Strasser – braucht es beim gesunden Pferdehuf keine Korrekturmaßnahmen, da sich ein gesunder Huf selbst im Gleichgewicht hält, was den Abrieb und das Nachwachsen des Hufmaterials betreffen. Der ganzheitliche Aspekt spielt eine große Rolle, was Haltungsbedingungen und Beritt angeht und sollte den natürlichen Lebensbedingungen nahekommen.

Darüber hinaus gibt es bestimmte Regeln, die bei der Barhufbearbeitung zu beachten sind, so sollte zum Beispiel das Hufbein auf jeden Fall bodenparallel liegen und der Huf nach der Bearbeitung einen bestimmten Winkel aufweisen. Ebenso seien die Eckstreben zu kürzen bzw. fast gänzlich zu entfernen, um einen unphysiologischen Druck auf den Huf zu vermeiden.

Die Methode nach Strasser stand in der Vergangenheit immer wieder in der Kritik, stark dogmatisch und zu wenig individuell zu sein.

 

 

Es gibt noch einzelne weitere Bezeichnungen von Hufbearbeitern, die sich allerdings noch nicht durchgesetzt haben.

 

Und nun? Wie finde ich den richtigen Hufbearbeiter für mein Pferd?

Um für dein Pferd den richtigen Hufbearbeiter zu finden, solltest du dir mehrere Fragen stellen:

 

  • Soll mein Pferd beschlagen werden oder barhuf laufen?

  • Wie reagiert mein Pferd bei der Hufbearbeitung? Ist es brav und macht gut mit oder eher unruhig und hektisch?

  • Wie geht der Hufbearbeiter mit meinem Pferd um?

  • Hat mein Pferd eine Problemstellung im Hinblick auf die Hufe, z.B. starker Abrieb auf einem Huf, Bockhuf etc., die einen spezielle Hufbearbeitung oder Beschlag notwendig machen?

  • Welche Anbieter sind in meiner Nähe, die auch in einem Notfall kommen können?

  • Welche Ausbildung hat der Hufbearbeiter und wie lange schon?

  • Wie stark ist der Hufbearbeiter ausgelastet und wie schnell bekomme ich einen Termin bei ihm?

  • Wie weit kann ich mir selbst helfen, sollte mein Pferd z.B. ein Eisen verlieren?


Hufschmied bearbeitet den Pferdehuf
Hufschmied am Pferd

 

 

 

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